Eine GPS-Distanz zum Grün ist nur so gut wie die Karte dahinter. Und genau da liegt das Problem: Die meisten Golfplätze der Welt sind in keiner offenen Karte vollständig verzeichnet. Von 897 Golfanlagen in Deutschland, die OpenStreetMap im Oktober 2026 kannte, waren 335 GPS-tauglich kartiert. 318 hatten keine einzige Bahn eingezeichnet.
Wir wollten das nicht von Hand nachzeichnen, Platz für Platz. Also haben wir einer KI beigebracht, Golfplätze von oben zu lesen. Das Ergebnis steckt im Golfplatz-GPS von DeepSwing. Hier ist, wie es funktioniert und wie gut es wirklich ist.
Der Lehrer: Plätze, die schon sauber kartiert sind
Jedes Modell ist nur so gut wie seine Beispiele. Unsere Beispiele sind die Plätze, die in OpenStreetMap bereits vollständig erfasst sind: Fairways, Grüns, Abschläge, Bunker und Wasser als saubere Flächen. Aus diesen Flächen werden Trainingsmasken. Dazu kommen Luftbilder aus offenen amtlichen Quellen: Orthofotos der Länder in Europa, NAIP in den USA, jeweils mit rund 0,3 Metern pro Pixel.
So lernt das Modell nicht nur, wie ein Grün in Nordrhein-Westfalen aussieht, sondern auch in Kalifornien oder Dänemark.
Das Modell: fünf Klassen, Pixel für Pixel
Die Platz-KI ist ein Segmentierungsmodell. Es ordnet jedem Pixel eine Klasse zu: Fairway, Abschlag, Grün, Bunker, Wasser oder Hintergrund. Gemessen haben wir auf Validierungsplätzen, die das Modell im Training nie gesehen hat:
| Klasse | gefunden | Präzision |
|---|---|---|
| Grün | 99,1 % | 95,7 % |
| Bunker | 94,1 % | 95,2 % |
| Fairway | 93,7 % | 91,4 % |
| Abschlag | 81,2 % | 62,0 % |
| Wasser | 60,4 % | 74,1 % |
„Gefunden“ heißt: Von allen echten Grüns hat das Modell 99,1 Prozent erkannt. „Präzision“ heißt: Von allem, was das Modell für ein Grün hält, sind 95,7 Prozent wirklich eins. Die Mitte eines erkannten Grüns liegt im Median 0,6 Meter neben der echten, in 90 Prozent der Fälle weniger als 1,4 Meter. Für eine GPS-Distanz ist das mehr als genug.
Ehrlich gesagt: Abschläge und Wasser sind die schwachen Klassen. Abschläge sind klein und sehen von oben oft aus wie gewöhnlicher Rasen. Teiche verstecken sich unter Bäumen oder spiegeln den Himmel. Deshalb verlassen wir uns bei ihnen nicht allein auf die Segmentierung.
Vom Pixel zur Spielbahn
Flächen allein sind noch kein Golfplatz. Welcher Abschlag spielt zu welchem Grün? In welcher Reihenfolge? Mit welchem Par? Das entscheidet ein zweites, gelerntes Modell.
Es bewertet jedes mögliche Paar aus Abschlag und Grün im Abstand von 70 bis 650 Metern: Liegt Fairway auf der Linie dazwischen? Steht ein anderes Grün im Weg? Passt die Länge zu einer Bahn? Die beste Zuordnung aller Paare löst ein klassisches Optimierungsverfahren. Die Reihenfolge ergibt sich aus den kürzesten Wegen vom Grün zum nächsten Abschlag, das Par aus der Länge.
Ein Klassifikator trennt außerdem Spielgrüns von Übungs- und Chipping-Grüns. Wie viel solche Regeln bringen, haben wir nachgezählt: Ein erkanntes Grün zählt nur, wenn innerhalb von 25 Metern ein Fairway von mindestens 80 Metern Länge liegt. Mit dieser Regel waren auf 15 geprüften Plätzen 88 Prozent der Grüns echte Bahn-Grüns, ohne sie nur 55 Prozent.
Prüfen, bevor etwas live geht
Kein Vorschlag der KI landet ungeprüft in der App. Ein Platz muss die passende Bahnzahl haben, keine sich kreuzenden Spiellinien, plausible Wege vom Grün zum nächsten Abschlag und stimmige Pars. Zusätzlich muss jede Region in einer Stichprobe mindestens 90 Prozent korrekte Bahnen erreichen. Jeder Platz bekommt eine Qualitätsnote von A bis D, nur A und B gelten als GPS-fertig.
Gelände: Laserscans statt Satellit
Für die Frage, wie weit ein Schlag wirklich spielt, braucht es Höhen. Hier nutzen wir Laserscan-Höhenmodelle, in Deutschland das DGM1 der Landesvermessung mit einem Meter Raster. Gegen das amtliche Original gemessen liegen unsere Höhen bei 0,01 Metern Abweichung. Ein globales Satelliten-Höhenmodell kam auf 2,05 Meter und lag bei einer Bahn bis zu 7,9 Meter daneben, weil es Baumkronen statt Boden misst.
Aus den Höhen berechnen wir die Plays-like-Distanz: Distanz plus Höhenunterschied, geteilt durch einen Faktor für die dünnere Luft, etwa ein Prozent je 290 Meter über dem Meer. Bahn 4 in Oberstaufen-Steibis ist 458 Meter lang, liegt aber 26 Meter bergab und auf 926 Metern Höhe. Sie spielt sich wie 419 Meter. Mehr dazu in Plays-like-Distanz: So viel macht der Höhenunterschied aus.
Dieselben Höhen machen auch die Grüns lesbar: Für jedes Grün berechnen wir Höhe und Neigung im Meter-Raster. Wie man die Heatmap nutzt, steht in Grüns lesen mit Heatmap.
Was am Ende auf dem Handy landet


Auf dem Smartphone landet nur das Ergebnis: ein Kurspaket von rund 30 bis 210 Kilobyte pro Platz. Daraus zeichnet die App die Karte, rechnet Distanzen zu Grün und Hindernissen und baut das 3D-Gelände. Weil die Karte aus den Daten selbst gezeichnet wird, funktioniert sie auch ohne Netz.
Wo wir stehen
Stand Oktober 2026 haben wir 40.057 Golfplätze weltweit erfasst, 10.229 davon sind GPS-fertig, mit Bahnen, Grüns und Gelände. Die Pipeline läuft Region für Region über 512 Gebiete der Welt.
Und das Muster dahinter, offene Daten als Lehrer, Luftbild-Segmentierung und Laserscan-Gelände, funktioniert nicht nur für Golf. Mehr zur Technik auf unserer Seite zur Platz-KI.
Häufige Fragen
Wie genau erkennt die Platz-KI ein Grün?
Auf Plätzen, die das Modell nie gesehen hat, findet es 99,1 Prozent der Grüns bei 95,7 Prozent Präzision. Die Grünmitte liegt im Median 0,6 Meter neben der echten.
Woher kommen die Luftbilder?
Aus offenen amtlichen Quellen: Orthofotos der Länder in Europa und NAIP in den USA, mit rund 0,3 Metern pro Pixel.
Warum nicht einfach OpenStreetMap?
Weil viele Plätze dort unvollständig sind. In Deutschland waren im Oktober 2026 nur 335 von 897 Anlagen GPS-tauglich kartiert. Wo OpenStreetMap gut ist, nutzen wir es, unter anderem als Lehrer für das Modell.
Kann man das Verfahren für andere Flächen nutzen?
Ja. Offene Daten als Lehrer, Segmentierung von Luftbildern und Laserscan-Gelände lassen sich auf andere Flächen übertragen.
Wenn Sie Flächen aus der Luft erkennen müssen, sprechen Sie uns an. Und wenn Sie Golf spielen: DeepSwing Golfplatz-GPS, auf dem iPhone kostenlos.
