Wer seine Schläge vermessen will, kauft heute meist ein Radargerät: Hardware ab etwa 600 Dollar, oft dazu ein Abo für Plätze und Funktionen. Wir haben uns gefragt, ob es auch ohne geht. Ein aktuelles iPhone hat eine Kamera, die 240 Bilder pro Sekunde filmt, und einen Chip, der neuronale Netze in Millisekunden rechnet. Das sollte reichen.

Es reicht. Der DeepSwing Launch Monitor misst auf iPhone und Android jeden echten Ball. Hier ist, wie die Messkette funktioniert, wie genau sie ist und wo ihre Grenzen liegen.

1. Die Kamera: kurze Belichtung schlägt hohe Auflösung

Ein Golfball verlässt den Schläger mit weit über 200 km/h. Bei normaler Belichtung wird er im Video zu einem verschmierten Strich. Deshalb filmen wir mit 240 Bildern pro Sekunde und einer Belichtungszeit von 1/8000 Sekunde. Der Ball bleibt in jedem Bild ein scharfer Punkt, wie im Titelbild oben.

Der Preis dafür: Es braucht Licht. Draußen bei Tageslicht ist das kein Thema, in einer Abschlaghütte oder im Keller gehört eine helle, gleichmäßige Ausleuchtung zum Aufbau. Harte Schatten direkt über dem Ball sollte man vermeiden.

2. Scharfschalten statt Dauerrechnen

Die Erkennung kennt drei Zustände. Suchen: Wo liegt der Ball? Scharf: Der Ball liegt ruhig im markierten Feld, jetzt wird auf den Schlag gewartet. In der App wird der Kreis grün und oben steht „Bereit, schlag!“. Impact: Der Ball bewegt sich, jetzt zählt jedes Bild.

Mit voller Präzision gerechnet wird nur rund um den Schlag. Das spart Akku und verhindert Fehlauslösungen, wenn jemand nur über die Matte läuft. Den nächsten Ball findet die App von selbst wieder.

3. Zwei Modelle: Schlägerkopf und Ball

Für den Schlägerkopf haben wir ein eigenes Detektionsmodell auf Basis einer aktuellen YOLO-Architektur trainiert und als Core-ML-Modell für die Neural Engine optimiert. Es findet den Schlägerkopf in den Bildern kurz vor dem Treffmoment und misst sein Tempo. Wie das Modell entstanden ist, beschreiben wir auf der Seite zur Schlägerkopf-Erkennung.

Für den Ball reichen wenige Bilder nach dem Impact: Aus der Verschiebung von Bild zu Bild ergeben sich Ballgeschwindigkeit, vertikaler Abflugwinkel und Startrichtung. Aus Schlägerkopf und Ball zusammen entsteht der Smash-Faktor, also wie effizient der Ball getroffen wurde. Was die einzelnen Werte bedeuten, erklären wir in Launch-Monitor-Werte erklärt.

4. Physik: vom Abflug zur Landung

Die gemessenen Startwerte gehen in ein Ballflug-Modell, das Luftwiderstand, Auftrieb, Wind und Luftdichte berücksichtigt. Daraus entstehen Carry, Gesamtweite, Scheitelhöhe und Landewinkel. Aufsprung und Ausrollen simuliert die App auf der 3D-Range. Auf echten Plätzen fliegt der Ball dann über Gelände, das aus Laserscan-Höhendaten stammt.

DeepSwing Launch Monitor: Schlag auf der 3D-Range mit Carry, Ballspeed, Abflug und Richtung
Der gemessene Schlag fliegt auf der 3D-Range weiter, mit allen Werten am unteren Rand.

Was gemessen, was berechnet, was geschätzt wird

Ehrlichkeit über die Messkette ist uns wichtig, deshalb hier die Aufteilung:

Wert Woher er kommt
Ballgeschwindigkeit gemessen, aus den Bildern nach dem Impact
Abflugwinkel und Startrichtung gemessen
Schlägerkopf-Geschwindigkeit gemessen, aus den Bildern vor dem Impact
Smash-Faktor berechnet: Ballspeed geteilt durch Schlägerspeed
Carry, Scheitelhöhe, Landewinkel berechnet mit dem Ballflug-Modell
Gesamtweite simuliert, mit Aufsprung und Ausrollen
Spin geschätzt aus Schläger, Speed und Abflug

Wie genau ist das?

Wir haben DeepSwing gegen einen Radar-Launch-Monitor gemessen, den Rapsodo MLM2 PRO. Je nach Schläger liegt unser Carry 0 bis 2 Prozent daneben. Bei 150 Metern sind das im ungünstigsten Fall drei Meter.

Eine Einschränkung nennen wir bewusst offen: Den Spin messen wir nicht direkt. Dafür müsste man die Rotation des Balls sehen, also Markierungen auf dem Ball in sehr kurzer Zeit verfolgen. Wir schätzen den Spin und kennzeichnen ihn in der App so.

Aufbau in zwei Minuten

Die meisten Messfehler entstehen nicht im Modell, sondern beim Aufbau. So steht das Handy richtig:

  1. Stativ gegenüber aufstellen, auf der anderen Seite des Balls, etwa 1,5 Meter vom Ball entfernt, damit der Durchschwung es nicht erreicht.
  2. Handy quer einsetzen, 1 bis 1,5 Meter hoch und leicht nach unten geneigt, sodass der Ball im markierten Feld liegt.
  3. Ausrichten: Einen Schläger auf den Boden legen, der aufs Ziel zeigt, und das Stativ drehen, bis die gelbe Linie am Schläger entlangläuft. Die App meldet, sobald das Handy weniger als 1,5 Grad schief steht.
  4. Nur ein Ball im Feld, Stativ danach nicht mehr berühren.

Steht das Stativ schräg zur Ziellinie, starten alle Bälle weit zu einer Seite. Die App erkennt das Muster und weist darauf hin.

Handy oder Radar?

Ein Radargerät hat Vorteile, je nach Modell etwa einen direkt gemessenen Spin. Für die meisten Golfer, die zu Hause ins Netz oder auf der Range üben, zählen aber andere Dinge:

Handy mit DeepSwing eigenes Radargerät
Hardware Handy und Stativ, die Sie schon haben eigenes Gerät, ab etwa 600 Dollar
Kosten 5 Schläge pro Woche gratis, dann ab 8,99 € im Monat oder 169,99 € einmalig Gerät, oft zusätzlich ein Abo
Carry 0–2 % Abweichung zum MLM2 PRO Referenz
Spin geschätzt je nach Gerät gemessen
Anzeige iPad, Mac, TV, Google TV, Beamer, GSPro je nach Gerät

Vom Messwert zum Spiel

Weil alles Software ist, endet es nicht beim Messwert. Das Handy misst, die Anzeige läuft auf iPad, Mac oder groß auf dem Beamer. Es gibt eine tägliche Challenge, Minispiele für bis zu vier Spieler, Putten und über 12.000 echte Plätze. Wer einen PC-Simulator nutzt, schickt die Schläge an GSPro, wie in GSPro mit dem Handy verbinden beschrieben. Und wer sich einen eigenen Raum einrichten will, findet alles Nötige in Golfsimulator zu Hause mit dem Handy.

Das Prinzip, kleine schnelle Objekte in Hochgeschwindigkeitsvideo zu finden und zu vermessen, ist nicht auf Golf beschränkt. Mehr dazu auf unserer Seite zur Ball-Erkennung.

Häufige Fragen

Funktioniert der Launch Monitor auch mit Android?

Ja. DeepSwing gibt es bei Google Play mit demselben Launch Monitor, inklusive 3D-Range, Spielen, Putten und echten Plätzen. Ein Tablet oder Google TV wird zum großen Bildschirm.

Brauche ich ein bestimmtes iPhone?

Die Kamera muss 240 Bilder pro Sekunde filmen können. Ein stabiles Stativ ist wichtiger als das neueste Modell.

Funktioniert das drinnen?

Ja, ins Netz im Keller, in der Garage oder in der Abschlaghütte. Entscheidend sind genug Licht und ein Stativ, das sich nicht bewegt.

Wie viel kostet es?

Fünf Schläge pro Woche sind gratis. Danach kostet der Launch Monitor 8,99 € im Monat, 89,99 € im Jahr oder 169,99 € einmalig.

Probieren Sie es selbst: DeepSwing Launch Monitor für iPhone und Android.